Italienische Kartenspiele des 15. Jahrhunderts
Hinweis zur divinatorischen Nutzung: Diese Zuordnungen beschreiben mögliche Themen oder Tendenzen einer Legung, keine garantierten Ereignisse. Bei Gesundheits-, Rechts-, Finanz-, Fruchtbarkeits- oder Sicherheitsfragen sind qualifizierte Fachinformationen maßgeblich; diese Seite stellt keine Diagnose und garantiert kein Ergebnis.
Die Geschichte des Tarots beginnt mit italienischen Kartenspielen des 15. Jahrhunderts, nicht mit einem belegten altägyptischen Geheimwissen. Dieser Artikel stellt die höfische Spielkartenkultur vor, in der die frühen Trümpfe des Tarots entstanden.
Überblick
Tarotkarten entstanden im 15. Jahrhundert in Norditalien als Stichspiel, das vom Adel gespielt wurde. Weit davon entfernt, mystische Wahrsagungsinstrumente zu sein, waren die frühesten Tarotdecks luxuriöse Spielkarten, die von wohlhabenden italienischen Familien in Auftrag gegeben wurden — insbesondere von den Dynastien der Visconti und Sforza in Mailand. Das Spiel selbst, bekannt als trionfi (Triumphe) und später tarocchi, war ein Produkt der lebhaften Hofkultur des italienischen Renaissance.
Die Geburt des Tarot: Norditalien, ca. 1420–1450
Geografische Ursprünge
Das Tarotspiel wurde in Norditalien erfunden, höchstwahrscheinlich in Mailand oder Ferrara, während des zweiten Viertels des 15. Jahrhunderts (ungefähr 1420–1450).
„In der Renaissance waren Tarotkarten nicht das Handwerkszeug von Wahrsagern, sondern wurden in einem normalen Kartenspiel verwendet, das vom Adel genossen wurde. Das Spiel, dessen Regeln verloren gegangen sind, wurde im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts in Norditalien erfunden, wahrscheinlich in Mailand oder Ferrara."
— The Morgan Library & Museum, „Visconti-Sforza Tarot Cards"
Quelle: https://www.themorgan.org/manuscript/158525
Vorläufer: Spielkarten aus dem islamischen Osten
Bevor es Tarot gab, waren bereits normale Spielkarten aus der islamischen Welt in Europa eingetroffen. Diese Karten verfügten über vier Farben und nummerierte Karten und bildeten die Grundlage dessen, was später die Kleinen Arkana werden sollte. Die Innovation des Tarot bestand in der Hinzufügung einer fünften Farbe — der Trümpfe (trionfi) — die jede Karte der anderen vier Farben schlagen konnte.
„Diese Dissertation analysiert die Entwicklung und das Spiel von Tarotkarten (carte da trionfi) im Italien des 15. Jahrhunderts, beginnend mit ihren Ursprüngen in Spielkartendecks, die aus dem islamischen Osten importiert wurden, und fortführend mit der Beliebtheit von Tarotdecks an den Höfen von Mailand und Ferrara."
— Penn State University, „Carte da Trionfi: The Development of Tarot in 15th-Century Italy"
Quelle: https://openpublishing.psu.edu/ahd/content/carte-da-trionfi-development-tarot-15th-century-italy
Die deutsche „Karnöffel"-Verbindung
Manche Wissenschaftler weisen auf ein deutsches Kartenspiel namens Karnöffel (aus den 1420er Jahren) als Vorläufer oder parallele Entwicklung hin. Karnöffel verfügte über bestimmte Karten mit besonderen Kräften, die andere schlagen konnten — ein Konzept, das dem Trumpfmechanismus im Tarot ähnelt. Das italienische Trionfi-Spiel entwickelte jedoch seinen eigenen eigenständigen Charakter mit seinem vollständigen Satz von 22 illustrierten Trumpfkarten.
„Italienische Decks sind die ältesten Exemplare, die wir von diesen Karten haben. Es gab andere und möglicherweise ältere Arten von Trumpfkarten, die in Europa bereits in den 1420er Jahren entwickelt wurden — ein deutsches Kartenspiel namens Carnival verfügte über solche Trumpfkarten."
— YouTube, „A Brief History of Tarot Cards | Stuff You Missed in History Class"
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=SgUcPJYspzs
Die Visconti-Sforza-Decks
Die ältesten erhaltenen Tarotkarten
Das Visconti-Sforza-Tarot bezeichnet gemeinsam etwa 15 unvollständige Decks aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die heute über Museen, Bibliotheken und Privatsammlungen weltweit verstreut sind. Kein vollständiges Deck hat überlebt.
„Das Visconti-Sforza-Tarot wird als Sammelbegriff für unvollständige Sätze von etwa 15 Decks aus der Mitte des 15. Jahrhunderts verwendet, die sich heute in verschiedenen Museen, Bibliotheken und Privatsammlungen auf der ganzen Welt befinden. Kein vollständiges Deck hat überlebt."
— Wikipedia, „Visconti-Sforza Tarot"
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Visconti-Sforza_Tarot
Die drei wichtigsten Sammlungen
Der vollständigste Satz an Visconti-Sforza-Karten ist auf drei Sammlungen verteilt:
| Sammlung | Anzahl der Karten | Standort |
|---|---|---|
| Pierpont Morgan Library | 35 Karten | New York, USA |
| Accademia Carrara | 26 Karten | Bergamo, Italien |
| Familie Colleoni | 13 Karten | Bergamo, Italien |
| Gesamt | 74 Karten |
„Im 15. Jahrhundert handgemalte Tarotkarten italienischen Ursprungs sind äußerst selten, und kein vollständiges Deck hat überlebt. Die 35 Karten in der Morgan Library, 26 in der Accademia Carrara in Bergamo und 13 im Besitz der Familie Colleoni aus Bergamo bilden den vollständigsten und einen der wichtigsten bekannten Sätze."
— The Morgan Library & Museum, „Visconti-Sforza Tarot Cards"
Quelle: https://www.themorgan.org/manuscript/158525
Datierung der Decks
Das älteste bekannte Tarotdeck — das unvollständige Visconti di Modrone-Deck — wurde durch fortschrittliche Bildgebungsverfahren und Wasserzeichenanalysen, die von Forschern der Yale University durchgeführt wurden, auf den Zeitraum zwischen 1437 und 1442 datiert.
„Forscher der Yale University schafften es, Wasserzeichen von Papierhändlern zu erkennen, um eines der ältesten Tarotdecks der Welt auf einen beeindruckend engen Zeitraum zu datieren, zwischen 1437 und 1442."
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves"
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Auftraggeberschaft und Patronat
Die Visconti-Sforza-Decks wurden von Mitgliedern der herrschenden Familien Mailands in Auftrag gegeben. Das berühmteste Deck wurde wahrscheinlich für Bianca Maria Visconti und Francesco Sforza angefertigt, deren Verlobung (1432) und Heirat (1441) die beiden mächtigen Familien vereinten.
„Dieses Deck könnte für Bianca Maria Visconti und Francesco Sforza angefertigt worden sein, deren Verlobung (1432) und Heirat (1441) die beiden Familien vereinten. Jedenfalls zeigen die Embleme beider Familien, vermischt auf den Karten, dass sie für ein Mitglied der Visconti-Sforza-Familie hergestellt wurden."
— The Morgan Library & Museum, „Visconti-Sforza Tarot Cards"
Quelle: https://www.themorgan.org/manuscript/158525
„Zwischen 1442–1447 gab Filippo Maria Visconti eines der ersten von vielen farbenprächtigen Decks in Auftrag, die handgemalt und mit historischen mittelalterlichen und mythologischen Themen gestaltet wurden."
— Michelle Johnston, „The Tarocchi Players - Renaissance Italy and the History of the Tarot"
Quelle: https://www.michellejohnston.life/episodes/the-tarocchi-players-renaissance-italy-and-the-history-of-the-tarot
Künstler
Die frühesten Visconti-Sforza-Karten wurden folgenden Künstlern zugeschrieben:
- Bonifacio Bembo (aktiv 1440–1480), einem Maler und Illuminator aus Cremona
- Francesco Zavattari (aktiv 1417–1483), einem älteren Illuminator, in dessen Umkreis Bembo arbeitete
- Antonio Cicognara, der Ende des 15. Jahrhunderts sechs Ersatzkarten malte
„Alle drei der frühesten Decks wurden dem cremonesischen Maler und Illuminator Bonifacio Bembo (aktiv 1440–80) zugeschrieben. In jüngster Zeit wurde das Morgan-Deck jedoch Francesco Zavattari (aktiv 1417–83) zugeordnet.“
— The Morgan Library & Museum, „Visconti-Sforza Tarot Cards“
Quelle: https://www.themorgan.org/manuscript/158525
Physische Merkmale
Die Visconti-Sforza-Karten waren:
- Handgemalt und vergoldet auf schwerem Karton
- Etwa 173 × 87 mm groß
- Mit Hintergründen aus Gold- und Silberblatt
- Wappen der Familien Visconti und Sforza darstellend
- Mit Tempera und Gold auf grundiertem Untergrund gemalt
„35 Karten: schwerer Karton, illuminiert; 173 × 87 mm“
— The Morgan Library & Museum, „Visconti-Sforza Tarot Cards“
Quelle: https://www.themorgan.org/manuscript/158525
Das Spiel der Trionfi/Tarocchi
Wie das Spiel funktionierte
Das ursprüngliche Tarotspiel war ein Stichspiel (ähnlich dem modernen Bridge oder Whist). Die 22 Trumpfkarten (Trionfi) konnten jede Karte der vier regulären Farben schlagen. Die Spieler versuchten, Stiche zu gewinnen, indem sie die höchste Karte ausspielten, wobei die Trümpfe eine besondere Macht besaßen.
„Tarot ist ein Stichspiel, wie die vielen Trumpfkarten deutlich anzeigen, und obwohl es viele Variationen gibt (meist geringfügige), haben sich die Spielregeln seit dem 15. Jahrhundert wahrscheinlich nicht wesentlich verändert.“
— The Metropolitan Museum of Art, „Before Fortune-Telling: The History and Structure of Tarot Cards“
Quelle: https://www.metmuseum.org/perspectives/tarot-2
Belege für tatsächliche Benutzung
Die physische Untersuchung der Visconti-Sforza-Karten bestätigt, dass sie zum Spielen verwendet wurden und nicht nur als Kunstwerke präsentiert:
- Abgenutzte Kanten durch Handhabung
- Verlorene Pigmente durch wiederholten Gebrauch
- Sich trennende Schichten des Kartons
- Ersatzkarten, die beschädigte Originale ersetzen sollten
„Pozzis Forschung hat gezeigt, dass die erhaltenen Karten Anzeichen regelmäßiger Benutzung tragen: abgenutzte Kanten, verlorene Pigmente, sich trennende Schichten. Ihr Labor hat bestätigt, dass mehrere Karten Ersatz sind, was darauf hindeutet, dass ihre Besitzer ein vollständiges Deck wollten, und die Idee untermauert, dass diese Karten zum Spielen gedacht waren.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Das Sola-Busca-Tarot
Das Sola-Busca-Tarot, das ins späte 15. Jahrhundert datiert wird, ist das früheste vollständige 78-kartige Tarotdeck, das heute noch existiert. Anders als die Visconti-Sforza-Decks zeigt es völlig andere Bildmotive in den Großen Arkana — obskure Gestalten aus der Antike und berühmte Schurken wie den römischen Kaiser Nero.
„Was mich daran so überrascht hat, war, wie wenig es dem modernen Tarot ähnelt. Anstelle der standardmäßigen Großen Arkana steht dort eine Reihe völlig anderer und verstörender Bilder: obskure Gestalten aus der Antike oder berühmte Schurken, wie der römische Kaiser Nero, der sich am Verbrennen von Babys erfreut.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Die Hofkultur des Renaissance-Italiens
Warum Tarot damals und dort entstand
Tarot entstand in einem spezifischen Moment der europäischen Geschichte, als:
- Wohlhabende italienische Höfe Zentren künstlerischer Patronage waren
- Der Adel nach anspruchsvoller Unterhaltung suchte
- Klassische Mythologie und Allegorie modische Themen waren
- Interkultureller Handel neue Ideen und Materialien brachte
„Schließlich entstand Tarot an einem sehr spezifischen Punkt der europäischen Geschichte, als die wohlhabenden Höfe des Renaissance-Italiens Armeen von Gelehrten beschäftigten, um verborgenes Wissen aus antiken Texten zu bergen.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Karnevalsumzüge und die Trumpffolge
Die spezifische Reihenfolge der Großen Arkana könnte von Renaissance-Karnevalsumzügen inspiriert worden sein — dramatischen Paraden mit kostümierten Darstellern, die Geschichten aus Folklore und Religion nachspielten. Diese symbolischen Festzüge umfassten Figuren wie jene auf den Tarotkarten.
„Die spezifische Reihenfolge der Großen Arkana könnte auf Renaissance-Karnevalsumzügen basiert haben – dramatischen Paraden mit kostümierten Darstellern, die Geschichten aus Folklore und Religion nachspielten. Diese symbolischen Festzüge würden Figuren wie jene auf den Tarotkarten umfassen, wie den Teufel, und Themen wie die Gerechtigkeit.“
— Victoria and Albert Museum, „A history of tarot cards“
Quelle: https://www.vam.ac.uk/articles/tarot-cards
Die „Scala Mistica“-Theorie
Manche Gelehrte argumentieren, dass die Trumpffolge als moralisches Lehrmittel konzipiert war — eine „mystische Leiter“ (scala mistica), die Spieler in ethische Grundsätze unterwies, oder diese Grundsätze vielleicht satirisch kommentierte.
„Manche Gelehrte, wie der Tarothistoriker Andrea Vitali, argumentieren, dass die Figuren auf solchen Karten eine scala mistica, oder mystische Leiter, bieten sollten, die irre Spieler in moralischen und ethischen Grundsätzen unterrichtet – oder vielleicht jene Grundsätze satirisch kommentiert, indem sie Narren und Liebende Päpste trumpfen lassen.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Verbreitung über Mailand hinaus
Ferrara und Bologna
Während Mailand die berühmtesten frühen Decks hervorbrachte, blühte Tarot auch in:
- Ferrara: Ein weiteres bedeutendes Zentrum der Tarotproduktion und des Tarotspiels
- Bologna: Entwickelte eine eigene Variante (das tarocchino bolognese) mit 62 Karten
- Florenz: Schuf das erweiterte Minchiate-Deck mit 97 Karten
Von Italien nach Frankreich
Im 17. und 18. Jahrhundert verlagerte sich die Tarotproduktion nach Frankreich, wo sie als Tarot bekannt wurde (vom italienischen tarocchi). Französische Hersteller produzierten günstigere, massengefertigte Decks, die das Spiel in ganz Europa verbreiteten.
„In den Jahrhunderten nach der Herstellung von Viscontis exquisitem Kartenspiel nahm die Beliebtheit von Tarot als Spiel zu, und seine Produktion verlagerte sich im 17. und 18. Jahrhundert nach Frankreich.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Der ägyptische Ursprungsmythos ( widerlegt)
Im Jahr 1781 veröffentlichte Antoine Court de Gébelin eine spekulative Abhandlung, in der er behauptete, Tarot stamme aus dem alten Ägypten als das „Buch des Thoth“. Diese Behauptung wurde durch die moderne Forschung gründlich widerlegt.
„Die astrologische Nutzung von Tarotkarten geht auf wissenschaftliche Fehlinformationen zurück, die Antoine Court de Gébelin 1781 veröffentlichte. Er führte ihren Ursprung auf das alte Ägypten zurück und identifizierte sie mit dem Buch des Thoth, dem Schreiber der ägyptischen Götter.“
— The Morgan Library & Museum, „Visconti-Sforza Tarot Cards“
Quelle: https://www.themorgan.org/manuscript/158525
„In Wirklichkeit ‚gibt es absolut keine Beweise für Roma im Ursprung von Tarotkarten oder für eine bedeutende Rolle bei ihrer Verbreitung‘, sagt Egil Asprem, Professor an der Universität Stockholm.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Debatten und unterschiedliche Perspektiven
Mailand vs. Ferrara: Wo wurde Tarot erfunden?
Sichtweise 1: Mailand
Die Visconti-Sforza-Decks (die ältesten erhaltenen Exemplare) wurden in Mailand hergestellt, und die frühesten dokumentarischen Belege deuten auf mailändische Patronage hin.
Sichtweise 2: Ferrara
Manche Wissenschaftler argumentieren, dass Ferrara möglicherweise ebenso wichtig oder sogar vorrangig war, basierend auf dokumentarischen Erwähnungen von „trionfi“-Karten in ferraresischen Hofaufzeichnungen aus den 1440er Jahren.
„Das Spiel, dessen Regeln verloren gegangen sind, wurde in Norditalien erfunden, wahrscheinlich in Mailand oder Ferrara, im zweiten Viertel des fünfzehnten Jahrhunderts.“
— The Morgan Library & Museum, „Visconti-Sforza Tarot Cards“
Quelle: https://www.themorgan.org/manuscript/158525
Waren frühe Decks Kunstobjekte oder Spielkarten?
Sichtweise 1: Primär Kunstobjekte
Viele Jahre lang vermuteten Historiker, dass Decks von so außergewöhnlicher Qualität wie die Visconti-Sforza-Decks möglicherweise rein als Kunst oder Sammlerstücke gedacht waren.
Sichtweise 2: Funktionale Spielkarten
Moderne physikalische Analysen haben eindeutige Gebrauchsspuren gezeigt — abgenutzte Kanten, ersetzte Karten — und bestätigt, dass es sich um funktionale Spielstücke handelte, wenn auch teure.
„Viele Jahre lang vermuteten Historiker, dass ein Deck von so außergewöhnlicher Qualität wie dieses möglicherweise einfach als Kunstwerk gedacht war. Doch Pozzis Forschung hat gezeigt, dass die erhaltenen Karten Spuren regelmäßigen Gebrauchs aufweisen.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Enthielt Tarot von Anfang an verborgene esoterische Bedeutung?
Sichtweise 1: Rein ein Spiel
Die vorherrschende wissenschaftliche Position ist, dass Tarot als Kartenspiel erfunden wurde und esoterische Bedeutungen erst Jahrhunderte später hinzugefügt wurden.
Sichtweise 2: Esoterische Untertöne von Beginn an
Manche Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Renaissancehöfe tief in der Wiederentdeckung antiker Weisheit investiert waren, und die Wahl der Bildsprache (klassische Mythologie, moralische Allegorie) deutet darauf hin, dass die Schöpfer mehr als bloße Unterhaltung beabsichtigten.
„Der Okkultist Peter Mark Adams bezeichnete das Deck als ‚hartnäckig und unheilbar seltsam‘ und schrieb, dass ‚selbst nach eingehendem Studium das Deck seine Fremdartigkeit behält‘. Für Adams deutet diese Seltsamkeit darauf hin, dass diese Karten einen grundlegenden Zweck haben, der über einfache Unterhaltung hinausgeht.“
— Smithsonian Magazine, „The Colorful History of Tarot Is as Mesmerizing as the Decks Themselves“
Quelle: https://www.smithsonianmag.com/arts-culture/colorful-history-tarot-mesmerizing-decks-themseles-180986811
Zusammenfassende Zeitleiste
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| ca. 1370er–1420er | Spielkarten erreichen aus der islamischen Welt Europa |
| ca. 1420er | Deutsches „Karnöffel“-Spiel weist Trumpf-ähnliche Mechaniken auf |
| ca. 1437–1442 | Visconti di Modrone-Deck entstanden (ältestes datiertes Tarot-Deck) |
| 1441 | Heirat von Bianca Maria Visconti und Francesco Sforza |
| ca. 1450–1480 | Visconti-Sforza-Decks gemalt (Attribution der Morgan Library) |
| Späte 1400er | Sola Busca-Tarot entstanden (frühestes vollständiges 78-Karten-Deck) |
| 15.–16. Jh. | Tarot verbreitet sich in ganz Italien (Bologna, Florenz, Ferrara) |
| 17.–18. Jh. | Produktion verlagert sich nach Frankreich |
| 1781 | Court de Gébelin veröffentlicht ägyptische Ursprungstheorie (widerlegt) |
Konsultierte Quellen: The Morgan Library & Museum (themorgan.org), Smithsonian Magazine (smithsonianmag.com), Victoria and Albert Museum (vam.ac.uk), Wikipedia, Penn State University, Michelle Johnston / Muse Italia, Trionfi.com, YouTube (Stuff You Missed in History Class).